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Flugdrahtanlagen

Ziel

Flugdrahtanlagen sind das Zuhause vieler Vögel für eine lange Zeit im Jahr, sie müssen also den Bedürfnissen der Vögel entsprechen (das steht nebenbei bemerkt so auch im § 2 des deutschen Tierschutzgesetzes). 

 

Flugdrahtanlagen müssen von der Falkner:in erstellt, gepflegt und gemanaget werden, sie müssen also den Bedürfnissen der Falkner:in entsprechen.

 

Flugdrahtanlagen stehen oft im heimischen Garten oder sonst in einem Umfeld wo sie von Mitgliedern der Familie und deren Gästen angeschaut werden, sie sollten also auch einigermaßen nett aussehen.

 

Grundlagen

Flugdrahtanlagen eignen sich nur zur Haltung einzelner Vögel, die bereits fertig abgetragen sind.

 

Flugdrahtanlagen haben gegenüber der Haltung an Block oder Sprenkel den Vorteil, dass sie Bewegungsmöglichkeiten bieten, die, je nach Ausführung, denen in einer Voliere entsprechen können. Deshalb sind sie auch für die Haltung in der Zeit ohne Freiflug geeignet.

 

Während der freiflugfreien Zeit verwildern Vögel an Flugdrahtanlagen nicht so stark wie in Volieren, das ist vor allem bei Habichten relevant.

 

Flugdrahtanlagen haben gegenüber der reinen Volierenhaltung den Vorteil, dass Vögel in Kondition, die zur Falkner:in hinfliegen wollen, sich nicht an der durchsichtigen Volierenwand verbinzen oder sonst verletzen können.

 

Wir halten bzw. hielten unsere Habichte meist ganzjährig am Flugdraht, unsere Harrisse während der Saison tagsüber am Flugdraht, nachts und außerhalb der Saison in Volieren und unsere Falken während der Saison an Block und Reck und außerhalb der Saison in Volieren.

 

Flugdrahtanlagen müssen dem Sicherheitsempfinden der Vögel Rechnung tragen. Je nach Vogelart und Vogelindividuum kann es sinnvoll sein, die Schutzhütte mit einer Sichtblende zu versehen.

 

Flugdrahtanlagen müssen alle notwendigen Einrichtungsgegenstände enthalten und so bemaßt sein, dass die notwendigen Verhaltenselemente ausgeführt werden können.

 

Flugdrahtanlagen müssen so konstruiert und eingerichtet sein, dass sich die Vögel nicht verletzen können und so wenig als möglich mit ihrem Schmelz in Kontakt kommen. Besonders wichtig ist, dass der Vogel sich nicht verhängen kann.

 

Flugdrahtanlagen müssen Schutz vor den Unbilden der Witterung bieten. Dazu gehören neben dem Niederschlag auch die starke Sonneneinstrahlung und Wind sowie Zugluft.

 

Flugdrahtanlagen müssen Schutz vor freilebenden Beutegreifern bieten, hauptsächlich ist der Marder zu fürchten, aber auch Katzen und freilebende Greifvögel können Probleme bereiten. Das ist umso wichtiger, je kleiner die gehaltenen Greifvögel sind. Weibliche Habichte oder Harris Hawks sind weniger gefährdet als deren Terzel, gar Sperber oder Kleinfalken.

 

Flugdrahtanlagen müssen das Entweichen der gehaltenen Vögel sicher verhindern.

 

Flugdrahtanlagen müssen leicht zu reinigen und mit wenig Aufwand auch von Parasitendauerformen zu befreien sein.

 

Atzung und Wasser sollten, vor allem bei kurzfristiger Abwesenheit der eigentlichen Falkner:in, auch von sonstigen sachkundigen Personen bereitgestellt werden können.

 

Umsetzung

Grundsätzliches

Flugdrahtanlagen bestehen grundsätzlich aus mindestens zwei Sitzgelegenheiten und einem dazwischen gespannten Seil, Draht oder Metallstab/Metallrohr. Auf dem Seil, Draht oder Rohr läuft ein Ring, an dem der Vogel mit der Langfessel festgelegt wird. Bei uns hat sich stabiles Nylonseil (Bergsteigerseil mit 6-10mmØ) bewährt[1]. Es gibt etwas nach und ist weniger verletzungsgefährlich als Metall. Bremseinrichtungen lehnen wir ab, sie funktionieren in der Praxis nicht zuverlässig und stellen zusätzliche Verletzungsgefahren dar.

 

Ganz wichtig ist, dass es keine Möglichkeiten gibt, dass sich der Vogel verhängen kann. Dabei geht es nicht nur um vorstehende Ästchen, Nägel oder ähnliches, es muss auch verhindert werden, dass der Vogel unter den Recks oder den Wänden durchschlüpfen kann, von wo er dann nicht mehr zurückkommt. Sollen Sprenkel verwendet werden müssen sie geschlossen sein, Blöcke und Krücken sind bei Flugdrahtanlagen absolut tabu, um sie wird sich der Vogel sehr schnell verwickeln.

 

Maße

Die Länge der Anlage sollte 4m nicht unter- und für die schnell beschleunigenden Arten, wie z.B. Habichte, 6m nicht überschreiten.

 

Bei den von uns empfohlenen Anlagen mit umlaufender Reck sollte die Breite 1,25m nicht überschreiten, sonst wird der Winkel zwischen Drahle am Geschüh des Vogels und dem Ring am Flugdraht zu flach, so dass die Staartpennen verbinzen, besonders bei Arten mit langem Staart wie Habichte oder Harris.   

 

Schutzhütte

Zum Schutz vor den Unbilden der Witterung muss an einem Ende des Flugdrahtes eine Schutzhütte vorgesehen werden.

 

Ob die Schutzhütte ein spitzes oder ein Pultdach hat ist für den Vogel egal. Wichtig ist, dass sich der Vogel nicht auf das Dach setzen und am besten auch die Hütte nicht umfliegen kann, um Verletzungen zu vermeiden. Für die von uns bevorzugte Anlage mit umlaufender Reck ist eine Schutzhütte mit rechteckigem Grundriss einfacher zu bauen.

 

Die Schutzhütte sollte bei Harrissen nicht tiefer als 1,25m sein, da Harrisse als Vögel des offenen Landes nicht gerne in „dunkle Höhlen“ gehen. Habichte dagegen als Waldbewohner schätzen es sich verstecken zu können. Manche ziehen sich gelegentlich hinter die Reck in der Schutzhütte zurück, dann muss die Reck entsprechend niedrig sein, andere freuen sich über Blenden, gerne auch aus Trallen, die die Front der Schutzhütte bis zur Hälfte verdecken. Die Schutzhütte kann für Habichte auch tiefer als 1,25m sein.

 

Recks

Die Reck in der Schutzhütte sollte in der Mitte zwischen den Seitenwänden quer zum Flugdraht eingebaut sein.

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In Verlängerung der Seitenwände bauen wir je eine Reck an, die am Vorderende durch eine weitere Reck verbunden werden. Diese Recks werden so hoch konstruiert, dass die Falkner:in mit einem Schritt noch drübersteigen kann.

 

Alle Recks müssen (siehe oben) bis praktisch zum Boden geschlossen sein, so dass der Vogel nicht darunter durchschlüpfen kann.

 

Konstruktion

Für die tragende Konstruktion verwenden wir wie bei den Volieren Lärchenholz, bei der Schutzhütte reichen 4x4cm, für die äußeren Recks ist 6x6cm besser. Fichtenholz ist natürlich auch möglich, es hält halt nicht so lange, was bei den relativ schnell zu bauenden Flugdrahtanlagen nicht so sehr ins Gewicht fällt, wie bei Volieren. Für die Beplankung der Schutzhütte empfehlen wir nach vielen Versuchen mit verschiedenen Materialien Nut- und Federbretter, besonders stabil ist 19mm Rauhspund. Das kann gerne Fichte sein. OSB-Platten sind auch möglich, sie sehen aber nicht so schön aus und halten auch nicht so lange. Siebdruckplatten („Betoplan“) haben sich nicht bewährt. Das Dach wird mit Dachpappe belegt.

 

Als Recktuch nehmen wir Siloschutznetz, das gibt es im Agrarhandel für kleines Geld. Es ist sehr widerstandsfähig und lässt sich auch gut mit dem Hochdruckreiniger reinigen.

 

Alle Sitzstangen bauen wir aus runden Zaunpfählen aus Naturholz (Ø ca. 8cm), wie man sie im Baumarkt bekommt, sie müssen unbehandelt sein.

 

Die ganze Konstruktion stellen wir auf ein „Fundament“ aus flachen Betonsteinen auf den Rasen, so dass das Holz selbst den Boden nicht direkt berührt.

 

Wir haben unsere Flugdrahtanlagen mit Spanplatten-Schrauben sowie Schlossschrauben M 6 und M10 zusammengebaut, dadurch kann man sie mit wenig Aufwand auch wieder zerlegen. Wir bauen sie zur Saison auf und nach der Saison wieder ab und haben während der meisten Zeit des Jahres einen freien Garten. Jede Saison wählen wir auch einen etwas anderen Platz, so können wir Parasitendauerformen aus dem Weg gehen.

 

Einhausung

Momentan haben wir für unsere Flugdrahtanlagen keine Einhausung zum Schutz vor freilebenden Beutegreifern. Das können wir wagen, weil wir sie nur tagsüber benutzen und nur weibliche Harris am Flugdraht halten. Außerdem ist fast immer jemand zu Hause – oder die Vögel kommen mit. Sollte aber eine Einhausung notwendig sein, wie bei uns früher, dann reicht eine einfache Konstruktion aus Rahmenschenkeln 6x4cm, die aber mit Maschendraht 40x40 oder punktgeschweißtem Gitter, oder, aber nur bei den Seitenwänden, mit Siloschutznetz bespannt sein kann. Bei ganzjähriger Haltung, insb. bei kleinen Beizvögeln, empfiehlt es sich den ggfs. verwendeten Maschendraht durch punktgeschweißtes Gitter zu doppeln. Die Einhausung sollte auf jeden Fall so groß sein, dass der Vogel in keinem Fall die Wände mit den Flügelspitzen berührt, weil die Pennen sonst unweigerlich verbinzen. Diese Größe erlaubt auch ein bequemes Arbeiten für die Falkner:in in aufrechter Körperhaltung. Auch die Einhausung kann aus Modulen so zusammengebaut werden, dass man sie außerhalb der Saison wieder abbauen kann (das haben wir für die Einhausung des Platzes mit den Blöcken für die Falken so gemacht, die wir außerdem auf Räder gestellt haben, so dass der Platz häufig gewechselt werden kann, das hilft nicht nur beim Rasenmähen).

 

[1] auch wenn wir ein Nylonseil empfehlen benutzen wir dafür aus Gründen der Einfachheit im Folgenden den Begriff Flugdraht

Flug-draht-anlage

umlaufende Reck

Konstruktion: Lärche

Schutzhütte: OSB-Platte, Rauhspund wäre besser

Recktuch: Siloschutznetz 

Flugdraht einzeln neu.JPG
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